Wilder Ritt in Rio de Janeiro

Einzelgold im Kajak-Einer: Hannes Aigner mit seiner Medaille von der WM in Brasilien.

Augsburger Kanuten
bei der Slalom-WM
sehr erfolgreich

Das Bootshaus des Augsburger Kajakvereins (AKV) ist pickepackevoll. Es gibt ja auch einen guten Grund zu feiern. An einer Wand läuft die TV-Aufzeichnung von der Slalom-Weltmeisterschaft in Rio de Janeiro. Vor allem die Fahrt von Hannes Aigner wird immer wieder eingespielt. Es war ein Triumphzug wie es ihn für einen AKV-Sportler  schon lange nicht mehr gegeben hat. Seit 1985 als Margit Messelhäuser auf dem Augsburger Eiskanal sensationell WM-Gold gewann, hatte der AKV keinen Einzel-Titel mehr errungen. Dementsprechend euphorisiert ist AKV-Chef Claudius Wiedemann beim Empfang für die drei Augsburger Medaillengewinner Hannes Aigner, (Gold), Sideris Tasiadis (Kanu Schwaben, Bronze) und die für Bad Kreuznach startende Ricarda Funk (ebenfalls Bronze). „Der Erfolg von Hannes macht jeden in unserem Verein stolz“, betont Wiedemann die jahrzehntelange erfolgreiche Arbeit der AKV-Trainer und hofft auf eine weitreichende Sogwirkung des WM-Titels von Aigner. „Das kann wichtige Impulse für den Nachwuchs geben“, glaubt der Vereinschef.

Nach Meinung des städtischen Sportreferenten Dirk Wurm kamen die Erfolge der Wildwasserkanuten „genau zum richtigen Zeitpunkt“. Denn als WM-Gastgeber 2022 unternimmt die Stadt gerade große Anstrengungen den Olympiakanal aus dem Jahr 1972 den  modernen Anforderungen anzupassen. „Auch für das Trainerteam war der  Erfolg sehr wichtig“, ist Dirk Wurm  überzeugt und lobt den AKV sowie die Kanu Schwaben für ihr langjähriges Wirken. „Die beiden Vereine haben das gemeinsame Ziel immer wieder Athleten hervorzubringen, die maximal erfolgreich sind.“ AKV-Chef Wiedemann formuliert es so: „Wir befeuern uns sportlich gegenseitig.“

An diesem Abend feiern sie gemeinsam. Der 29-jährige Hannes Aigner bleibt sich auch nach dem größten Triumph seiner Laufbahn selbst treu und strahlt eher innerliche Freude aus. „Ich glaube, dass Hannes gerade deshalb so erfolgreich ist, weil er so bescheiden ist“, sagt AKV-Boss Wiedemann. Aigner zählt bereits seit Jahren zu den Größen der Branche wie Olympiabronze 2012 und zweimal Mannschaftsgold bei der WM zeigen. Aber er ließ sich auch durch Rückschläge wie eine Saison ohne Platz im Nationmalteam nicht entmutigen. „Ich bin sehr froh, dass es nun endlich einmal am Saisonhöhepunkt geklappt hat.“ Einzelgold im besonders heiß umkämpften Kajak-Einer gibt es auch in der Kanu-Hochburg Augsburg höchst selten. In den vergangenen drei Jahrzehnten konnten nur Oliver Fix (1995) und Fabian Dörfler (2005, beide Kanu Schwaben) den WM-Titel gewinnen.

Nach dem Sieg in Brasilien freut sich Aigner „auf einige ruhige Tage daheim“.  Nach Abschluss seines BWL-Studiums besucht er Kurse an der WHU in Düsseldorf (Otto Beisheim School of Management) und beginnt bald mit der Vorbereitung auf die nächste Saison, die für alle Slalomspezialisten besonders wichtig sein wird. Denn nach Auskunft von Kajak-Bundestrainer Thomas Apel werden wohl bereits 2019 die deutschen Olympiaplätze für Tokio 2020 vergeben, damit die Trainingszeiten auf dem Kurs in Japan im Olympiajahr optimal genutzt werden können.

Sideris Tasiadis gewann in Rio WM-Bronze.

Olympia ist auch das große Ziel von Sideris Tasiadis. Der Canadierfahrer gewann in Rio seine erste WM-Einzelmedaille und war deshalb mit seinem dritten Platz zufrieden, auch wenn er registrieren musste, dass er damit nur die deutsche Nummer zwei hinter Weltmeister Franz Anton aus Leipzig war. Ähnlich lief es auch im Weltcup. Obwohl der Polizist Tasiadis drei von fünf Rennen gewann, reichte es in der Gesamtwertung nur zu Rang drei. Nach einem Italienurlaub muss er für ein paar Wochen zum Polizeidienst, anschließend wird nur noch trainiert. „Ich versuche ein gesundes Mittelmaß zu finden.“ Tasiadis weiß was er seinem Körper zumuten kann um ihn zur Höchstleistung zu bringen. 2012 war er schließlich schon  Olympiazweiter.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*