Tag drei beim Augsburger Kanuweltcup

Freude über Rang drei: Hannes Aigner. Bild: Deininger

Zwei Zitterpartien
und ein
Pechvogel

Triumph und Tragödie sind häufig Nachbarn im Spitzensport. Beim Augsburger Kanuslalom-Weltcup liegen sie nur wenige Meter auseinander. Während Hannes Aigner (Augsburger Kajak-Verein) vor diversen Fernsehkameras erklären darf, wie er es auf seiner Heimstrecke zu Rang drei gebracht hat, drischt Tim Maxeiner wutentbrannt auf sein Boot ein. „Das war nie und nimmer ein Fünfziger“, teilt der Projektmanager einer Outdoorfirma erbost mit. Der Ärger ist verständlich. Denn Maxeiner hat nach Meinung von Kajak-Bundestrainer Thomas Apel „das Rennen seines Lebens gemacht“. Der 32-Jährige vom WKV Wiesbaden mit Wohnsitz in Augsburg hatte den größten Erfolg seiner Laufbahn vor Augen, starrt dann aber immer wieder ungläubig auf die Anzeigetafel. Dort ist Maxeiner nur auf Rang zehn notiert, weil er nach Meinung der Kampfrichter das Tor elf nicht vorschriftsmäßig durchquert hat. Dafür bekommt Maxeiner 50 Strafsekunden.

Tim Maxeiner, vorne, war tief enttäuscht, weil er 50 Strafsekunden bekam.

Er fühlt sich um den Lohn seiner Paddelarbeit gebracht, nicht einmal Thomas Konietzko, der Präsident des Deutschen Kanuverbandes (DKV), kann den Kajakfahrer trösten.  „Das war eine mutige Fahrt“, will Konietzko Maxeiner aufmuntern. Doch dafür ist der Frust beim Sportler zu groß, der mit einem Platz auf dem Siegerpodest seiner wechselvollen Karriere die Krone aufgesetzt hätte.

Hannes Aigner – Olympiadritter 2012 – kann die Atmosphäre bei Siegerehrungen häufiger genießen, doch sein dritter Platz hinter dem Slowenen Peter Kauzer und dem Tschechen Jiri Prskavec ist für ihn ein Lichtblick einer durchwachsenen Saison. Dabei hat der Wettbewerb am Sonntag gar nicht so vielversprechend begonnen.  Im Halbfinale war Aigner bemüht Strafsekunden zu vermeiden, „ein Hänger an Tor 19“ (Trainer Apel) sorgte aber dafür, dass nach dem Lauf nicht so schnell Sicherheit aufkam. Aigner setzte sich vor der Videoleinwand in den Schatten und beobachtete ob ihn die Konkurrenz ins Abseits befördern würde.

Die Zitterpartie endet mit einem positiven Ergebnis. Aigner erreicht als Achter den Endlauf der zehn Besten, Maxeiner ist sogar auf Rang zwei notiert. „Das hat sehr gut geklappt, dabei hatte ich vor dem Start ganz schön die Hosen voll. Jetzt geht es darum die Emotionen herunterzufahren.“ Der Teilzeitpaddler mit voller Berufsauslastung will im Finale zum großen Schlag ausholen.

Zunächst ist jedoch Hannes Aigner an der Reihe und erhöht die Schlagzahl. Mit einer Zeit von 95,79 Sekunden ist er fast drei Sekunden schneller als im Halbfinale. „Das war endlich mal wieder ein Angriffslauf“, freut sich Trainer Apel. „Zu 98,5 Prozent war das richtig gut, nur im letzten Aufwärtstor hat Hannes Zeit liegen gelassen.“ Kauzer (94,86) und Prskavec (95.10) sind schneller, doch Aigner gibt der dritte Platz großen Auftrieb. „Das ist der richtige Motivationsschub für die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft im September in Rio de Janeiro.“

Elena Apel erreichte Rang fünf im Canadier-Einer

Daran denkt Elena, die Tochter von Bundestrainer Thomas Apel, noch nicht. Für sie steht zunächst die U23-WM in Italien auf dem Programm. Die 19-Jährige zeigt sich beim Weltcup auf dem Eiskanal im Canadier-Einer von ihrer  besten Seite. „Ich war zum ersten Mal in einem Weltcup-Finale und habe auf meiner Heimstrecke den fünften Platz erreicht“, strahlt die Schwaben-Kanutin über das ganze Gesicht. Überragende Athletin ist derzeit allerdings die Australierin Jessica Fox, die am Samstag bereits das Kajakrennen gewonnen hatte. „Sie ist derzeit eine Ausnahmeerscheinung“, gibt DKV-Cheftrainer Michael Trummer zu. „Unsere Mannschaft hat den ersten Teil der Saison gut abgeschlossen. Jetzt können wir durchatmen und dann werden wir in die WM-Vorbereitung einsteigen.“  Der Abstecher nach Brasilien könnte vor allem psychologisch schwierig werden. Denn vor zwei Jahren war bei Olympia in Rio der deutsche Damentrainer Stefan Henze bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.

 

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