Tag zwei beim Augsburger Kanuweltcup

Sideris Tasiadis in Aktion. Bild: Peter Deininger

Höllenlärm
bei Sidis
Triumphfahrt

Wenn Sideris Tasiadis ins Rennen geht, ist am Augsburger Eiskanal Trötenalarm. Famile und Freunde – alle mit weißen T-Shirts („Go Sidi“) ausgestattet – veranstalten ein Höllenspektakel. Der Olympiazweite von 2012 soll hören wie groß der Rückhalt ist, den er bei seinen Weltcup-Dienstfahrten im Canadier-Einer genießt. „Ich habe vor dem Finale zu mir gesagt: Bleib cool.“ Der 28-Jährige von den Kanu Schwaben will die Oberhand über die eigene Nervosität gewinnen. Im Halbfinale war ihm das nicht so recht gelungen. Der Gesamtweltcupsieger von 2017 zog nur mit der siebtbesten Zeit in den Endlauf ein. „Die ausgehängte Strecke ist nicht so einfach wie es den Anschein hat.  Man muss sehr konzentriert fahren, Gas geben und notfalls im richtigen Moment reagieren. Denn an manchen Stellen ist die Strömung sehr wechselhaft.“

Küsschen für den Weltcupsieger: Sideris Tasiadis und Freundin Denise.

Tasiadis zeigt perfekte Paddelarbeit. Der Sprecher am Eiskanal lässt seiner Begeisterung am Mikrofon freien Lauf. „Eine unglaubliche Perfomance“, findet er. Bundestrainer Sören Kaufmann sieht bei Tasiadis „nur einige minimale Wackler“ in den Wellen. „Sideris hat das stark durchgezogen, mit dieser Leistung ist alles möglich.“ Nach 100,06 Sekunden beginnt für den Schwabenkanuten Tasiadis die Wartezeit in der „Leaderbox“. Auf dem Fernsehschirm kann er verfolgen wie die sechs nachfolgenden Spezialisten die 270 m lange Strecke meistern. Aber auch Hochdekorierte wie der zweifache Olympiasieger Michal Martikan aus der Slowakei beißen sich an der Bestzeit des Polizisten aus Friedberg die Zähne aus. Ihm am nächsten kommt Halbfinalsieger Alexander Slavkovsky (Slowakei). Er hat 71 Hundertstelsekunden Rückstand.

In der Stunde des Triumphs erzählt Tasiadis von seinen Gefühlen im allerletzten Tor (24). „Das war eine haarige Sache, aber ohne Risiko ist kein Sieg im Weltcup möglich.“ Dann nimmt er freudestrahlend die Glückwünsche entgegen und beweist Standfestigkeit als sich Freundin Denise in seine Arme wirft. Nach seinem vierten Weltcupsieg, dem zweiten in dieser Saison, ist Tasiadis auf dem besten Weg seinen Gesamterfolg aus dem Jahr 2017 zu wiederholen. Dass es mit Schwabenkollegin Elena Apel im Zweier Mix nur zu Rang vier hinter den Siegern Jasmin Schornberg/Thomas Becker (Hamm/Schkopau) reichte, wird er verschmerzen. Der Samstagsieger freut sich auf den Italien-Urlaub samt Wohnwagen. Ab Mittwoch geht es mit Denise für zehn Tage in die Nähe von Venedig.

Ricarda Funk nach ihrem vierten Platz im Kajak-Finale. Bild: Peter Deininger

Während beim Canadierfahrer die Dramaturgie passt, hat Kajakfahrerin Ricarda Funk Pech. „Als ich hörte, dass die Australierin Jessica Fox eine Superzeit vorgelegt hatte, wusste ich, dass ich volles Risiko gehen musste“, erzählt die deutsche Nummer eins vom KSV Bad Kreuznach mit Wohnsitz in Augsburg. Bis zur ersten Zwischenzeit läuft es nach Wunsch, dann erhält die ehemalige Vizeweltmeisterin zwei Strafsekunden für eine Torstabberührung und verliert auch noch am letzten Tor Zeit. „Da habe ich die mögliche Medaille in den Sand gesetzt“, bewertet sie ihren vierten Platz. „Das ist ein bisschen schade, aber es kann eben nicht immer klappen.“ Die Atmosphäre während ihrer Fahrt hat Ricarda aber sichtlich beeindruckt. „Das war super. Ich würde am liebsten gleich noch einmal fahren.“

Aber auch für Siegerin Jessica Fox , die 7,39 Sekunden schneller  fuhr, hat sie nur lobende Worte. „Sie ist in diesem Jahr wohl nicht zu schlagen.“ Das große Plus der Australierin: Sie ist überaus stabil, obwohl sie neben Kajak auch Canadier fährt. Ricarda Funk bleibt die Hoffnung auf Silber oder Bronze im Gesamtweltcup – und da ist im September ja auch noch die WM in Rio de Janeiro.

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