Der Kanute Sideris Tasiadis hat für die neue Slalomsaison große Pläne.

Kanuslalom: Sideris Tasiadis greift wieder an

Dem Canadier-Fahrer
aus Augsburg fehlt
nur noch eine WM-Medaille

Sideris Tasiadis strahlt Ruhe aus, auch wenn Ende April die WM-Qualifikation im deutschen Kanuslalom  beginnt. „Ich bin seit ein paar Jährchen der Gejagte  und muss versuchen den anderen immer einen Schritt voraus zu sein“, beschreibt der 27-jährige Canadier-Fahrer der Augsburger Kanu Schwaben die Ausgangslage vor den vier Rennen (je 2 in Augsburg und Markkleeberg). Polizeimeister Tasiadis ist der Platzhirsch in seinem Metier und längst auch international ein  Begriff. Bei den olympischen Spielen 2012 in London gewann er Silber, zweimal triumphierte er im Gesamtweltcup, auch Europameister war er schon  – und doch sieht er seine Paddelbilanz unvollendet. „Eine WM-Medaille fehlt mir noch.“

Diesen Mangel will der deutsche Serienmeister im September auf dem Olympiakurs von Rio de Janeiro beheben. Vor zwei Jahren belegte er den fünften Rang. „Das Wildwasser dort ist nicht so schwer, das Ambiente gefällt mit sehr gut“, outet sich der Kanute mit Wohnsitz in Friedberg als Brasilien-Fan.  Tasiadis zählt seit über einem Jahrzehnt zur Weltklasse der Stechpaddel-Spezialisten. „Früher war das in erster Linie ein Zweikampf zwischen dem Franzosen  Tony Estanguet und dem  Slowaken Michal Martikan, heutzutage sind es bis zu 20 Fahrer, die um den Sieg kämpfen können“, erklärt der Augsburger. Über Sieg und Niederlage entscheiden meistens die Tagesform sowie die Art und Weise wie der Kurs ausgehängt wurde.

Sideris Tasiadis hat sich  in der Weltklasse etabliert. „Es ist die Kunst zu wissen an welcher Stelle die Zehntelsekunden herauszuholen sind.“ Der gebürtige Augsburger mit griechischen Eltern versteht es das Paddel wirkungsvoll einzusetzen und schwierigste Torkombinationen zu meistern. „Ich habe starke Nerven und kann mich auf den  Punkt konzentrieren“, sagt Tasiadis über sich, vergisst aber nicht auf eine Schwäche hinzuweisen. „Manchmal hole ich in Abwärtstoren  sehr weit  aus. Mit einer engeren Linie müsste ich nicht so einen großen Aufwand treiben.“

Eiskanal hat seine Tücken

Kanuslalom bedeutet jedoch auch Abhängigkeit vom Wildwasser. „Manchmal trägt einen eine Welle mit schneller Grundgeschwindigkeit ins Ziel, es kann aber auch sein dass einen das Wasser aus der Ideallinie schiebt“, beschreibt der Augsburger Kanute die Ohnmacht des Athleten vor dem Strudel. Das kann dem Slalomfahrer sogar auf seiner Heimstrecke passieren. Der Eiskanal hat seine Tücken – erst recht nach der Sanierung der Betonhindernisse auf dem Teil zwischen Start und Bogenbrücke. „Das Wasser pumpt gewaltig es ist deshalb wichtig vorausschauend zu fahren“, so Tasiadis.

In der Saisonvorbereitung  hat er sich wie immer auf sein Gefühl verlassen, Nach fast einem Jahrzehnt in der Männer-Nationalmannscft weiß der Schwabenkanute, was er seinem Körper zumuten kann und was nicht. „Vor sieben Jahren konnte ich drei oder vier Trainingseinheiten mehr verkraften.“ Tasiadis verzichtet auf frühere Maximalbelastungen in den Armen. „Wer zuviel Kraft hat, dem fehlt das Feingefühl in den Toren. Ich mache deshalb mehr Übungen um den Rumpf zu stabilisieren“, berichtet er vom Alltag im Friedberger Therapiezentrum. Gemeinsam mit Bundestrainer Sören Kaufmann hat er einen Trainingsplan ausgearbeitet, der ihn manchmal  abseits der Hauptströmung paddeln lässt. Soi verzichtete Tasiadis auf den Warmwasser-Lehrgang in Australien und übte in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Freundin Denise wurde dabei als „Kamerafrau“ eingesetzt.

In die Qualifikation 2018 geht der Augsburger mit einem neuen Canadierboot. Die leicht veränderte Kunststoffform soll das Gefährt drehfreudiger  und in den Aufwärtstoren schneller machen. Die Trainingszeiten stimmen Tasiadis zuversichtlich die nationale Konkurrenz zu beherrschen. „Doch im Slalom weiß man nie, was passiert“, will der Schwabenkanute keine großen Sprüche klopfen. Drei deutsche Fahrer können sich im Canadier-Einer  für die Auswahl des Deutschen Kanuverbandes (DKV) qualifizieren.  Als besonders aussichtsreich gelten neben Tasiadis die Leipziger Franz Anton und Nico Bettge sowie Florian Breuer (Augsburger Kajakverein).

International erwartet Tasiadis harte Auseinandersetzungen mit den Slowaken, dem Slowenen Benjamin Savcik und den tschechischen Fahrern. Für den Sommer hat er einen Urlaub im neuen Wohnwagen mit Freundin und Hund geplant. Beruflich fühlt er sich zwischen Kanuslalom und dem Winterdienst bei der Polizei sehr wohl. Deshalb kann er sich sogar vorstellen bis zu den olympischen Spielen 2024 in Paris zu paddeln. Dann wär er 34 Jahre.

 

 

 

 

 

 

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