Olympiasieger Alexander Grimm beendet seine Karriere.

Der Kanu-Held von Peking tritt ab

Olympiasieger Alexander Grimm fährt nicht mehr Slalom, sondern steigt in den Beruf ein

Der Augsburger Alexander Grimm wird jenen 12. August 2008 nie mehr vergessen. Es war der Tag, an dem aus einem talentierten Slalomkanuten im fernen China ein Olympiasieger wurde. Der 21-jährige Kajakfahrer schlängelte sich in einer perfekten Linie auf dem schweren Wildwasser von  Peking durch die Tore und hatte einige Minuten später die Gewissheit. Keiner war schneller. „Damals ist ein Traum wahr geworden“, erinnert sich der Augsburger an den größten Tag seiner Sportlerlaufbahn.  Grimm gewann in China das erste Gold für die deutsche Olympiamannschaft und beförderte den Randsport Kanuslalom auf einen Schlag ins Rampenlicht. Ein Wildwasserspezialist als nationaler Vorzeigeheld auf Zeit. Es blieb keine Eintagsfliege. Grimm  war dreimal Slalom-Mannschaftsweltmeister, gewann die WM im Extremwildwasser und Silber bei der Slalom-Europameisterschaft. Neue Medaillen werden nicht mehr hinzu kommen. „Das Paddeln macht mir immer noch großen Spaß, aber es ist Zeit beruflich Fuß zu fassen“,  begründet der 31-jährige Maschinenbau-Ingenieur, warum er auf die nationale WM-Qualifikation Ende April verzichten wird.

Nach weit über einem Jahrzehnt in der Slalom-Nationalmannschaft wird aus dem Marathonmann ein Hobbysportler. Der Entschluss zum Rücktritt ist bei dem Augsburger im englischen Plymouth gereift. Im Rahmen seines MBA-Studiums in München war er für drei Wochen auf der Insel und kam dabei zu der Erkenntnis, dass es für ihn wichtiger ist ins Arbeitsleben einzusteigen als noch einmal die Vorbereitung auf Olympia (Tokio 2020) auf sich zu nehmen. „Es  ist besser nach einer guten Saison aufzuhören und nicht, wenn einem der Sport zum Hals raushängt.“ 2017 war Grimm  bei der Slalom-WM Zehnter geworden, bei der WM im Extrem-Wildwasser gewann er Bronze. „Wir hatten eine tolle Mannschaft“, betont Grimm das angenehme Miteinander mit den Kollegen.

Mit seinem Erfolg in Peking reihte sich Grimm ein in den Kreis der Olympiasieger  am Augsburger Leistungszentrum: Elisabeth Micheler-Jones gewann 1992, Oliver Fix 1996 und Thomas Schmidt im Jahr 2000.  Der Schwabenkanute Grimm weiß noch genau, wie er den olympischen Dienst in China angetreten ist. „Ich war erst 21 und kein Favorit.“ Von einer Medaille habe er allenfalls geträumt. „Der Druck, der auf einem lastet, ist enorm“, so Grimm. Jede Nation durfte pro Kategorie nur ein Boot ins Rennen schicken. „Da die Fahrzeiten der beiden Endläufe damals addiert wurden, kam es in erster Linie darauf an konstant zu paddeln“, erzählt der Olympiasieger.

Slalomspezialist Apel
Bundestrainer Thomas Apel muss den Rücktritt von Alexander Grimm zur Kenntnis nehmen.

Nach dem ersten Lauf war der Schwaben-Kanute auf Rang vier notiert. Anschließend eilte er zur Zuschauertribüne und besprach die Situation mit Thomas Apel. Der Grimm-Trainer hatte keine offizielle Akkreditierung bekommen und musste das Rennen deshalb aus der Distanz verfolgen. „Die Videos von meinen Trainingsläufen habe ich ihm per Skype geschickt“, erinnert sich Grimm. „Die Strecke war  nicht nur wegen ihrer Wasserwucht sehr schwer, sondern manchmal auch unberechenbar. Die Bedingungen wechselten ständig.“

Als der Augsburger in den Finallauf startete, war er nicht nervös.  Der Tanz zwischen den Toren wurde zum energiegeladenen Paddelfeuerwerk. „Zeitweise war es wie im Rausch“, beschreibt er die Handarbeit im wogenden Wildwasser. Mit Bestzeit im Ziel begann für Grimm das Warten, denn drei Kajakfahrer kamen noch nach ihm. Gerade der Franzose Fabien Lefevre war ein heißer Kandidat auf Gold, kam jedoch nicht an die Zeit des Augsburgers heran. Grimms Märchen war wahr geworden.

Der neue Olympiasieger bekam schnell zu spüren, was die Goldmedaille bedeutet. „Olympia ist für uns Slalomkanuten grundsätzlich etwas Außergewöhnliches, wenn man dann auch noch gewinnt, dauert es schon seine Zeit bis man das alles realisiert hat.“ Grimm hier, Alexander dort – der Kanute wurde in China herumgereicht, dann folgte der Ehrungsmarathon in der Heimat. Der Augsburger verlor jedoch nie den Blick für die Wirklichkeit – beruflich wie sportlich. Er schloss sein Maschinenbaustudium ab und will bis zum Winter  den  MBA-Abschluss haben.  Im Wildwasser zählt er seit vielen Jahren zur Weltklasse, er sagt aber auch:  „Ich habe häufiger verloren als gewonnen, bin aber mit jeder Situation klar gekommen.“

Nicht ganz so einfach war für Grimm das Gespräch, als er Thomas Apel (inzwischen Kajak-Bundestrainer) von seinem Karriereende unterrichtete.  Es war offensichtlich eine sehr emotionale Unterhaltung. „Thomas kennt meine Stärken und Schwächen ganz genau. Er hat mich gepusht, war aber auch in der Lage Ruhe rein zu bringen, wenn alle sehr angespannt waren.“

Apel ist für Grimm nicht mehr Freund und  Trainer, sondern „nur noch“  Freund. Der Olympiasieger wird zum Hobbypaddler, eine Trainerlaufbahn schließt er zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus. Grimm will sich als Wirtschaftsingenieur etablieren. Die knappe Freizeit wird er wie bisher vor allem in der freien Luft verbringen. Egal ob zu Wasser oder an Land beim Bergsteigen oder auf dem Rad. Gemeinsam mit Freundin Elena.

Für Alexander Grimm und seine Freundin Elena beginnt ein neuer Lebensabschnitt.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*