Karriere in Übersee

Mit der Clarkson University erfolgreich: Nico Sturm aus Augsburg

Warum Nico Sturm
dem Bundestrainer
einen Korb gab

Als Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm vergangene Woche sein Aufgebot für die Testländerspiele in Russland bekanntgab, waren auch einige Augsburger im Team.  Thomas Holzmann ist bereits etabliert, die anderen Panther Daniel Schmölz, Simon Sezemsky und Jaroslav Hafenrichter geben ihr Debüt in der DEB-Auswahl. Von einem gebürtigen Augsburger bekam Sturm dagegen einen Korb. „Ich habe dem Bundestrainer erklärt, dass ich als Führungsspieler in der Mannschaft der Clarkson University gerne hier sein möchte, wenn wir nächste Woche wieder ins Training einsteigen. Wir haben große Ziele und für mich war es wichtiger ein Signal zu setzen, dass wir nächste Saison um den Titel spielen“, betont der 22-jährige Stürmer, der bereits seit 2014  in Übersee spielt und nun in Potsdam (New York) im Nordosten der USA lebt.  „Marco Sturm hatte vollstes Verständnis für meine Entscheidung und ich bin selbstbewusst genug zu sagen, dass meine Zeit in der Nationalmannschaft kommen wird“, so der Angreifer, der beim AEV mit dem Eishockey begann.

Als Schüler wechselte Sturm, der mittlere von drei Eishockey spielenden Brüdern aus Neubergheim bei Augsburg, zum ESV Kaufbeuren, im Juniorenalter begann er sein Amerika-Abenteuer.  Bei den Corpus Christi Ice Rays (Texas) kam er nicht wie scht zum Zug, erst bei den Austin Bruins (Minnesota) gelang dem Talent aus Deutschland der Durchbruch und mit Tri-City-Storm (Nebraska) gewann er 2016 den Clark Cup. Ein Stipendium bei der Clarkson University folgte. Sturm muss den Spagat zwischen Studium (Financial Information and Analysis) und Sport (Eishockey) meistern. Das ist eine große Herausforderung. „Nur wer einen bestimmten Notendurchschnitt hält, darf am Wochenende spielen“, erzählt Sturm.

Nico Sturm (rechts) feiert ein Tor.

Von 8.30 bis 14 Uhr ist  in der Regel Uni angesagt. Danach geht’s  bis  19 Uhr  ins Stadion. „Wir trainieren ja nicht bloß auf dem Eis, sondern stecken immensen Aufwand in Videoanalysen, Trockentraining und Physiotherapie. Nach dem Abendessen ist dann auch meistens noch Hausaufgaben-Machen angesagt, sodass die Arbeit  oft nicht vor 22 Uhr endet.“ College-Eishockey kann ein Karriere-Sprungbrett sein, die Spieler müssen allerdings höchsten Einsatz bringen. „Viele Gegner sind älter und erfahrener..“ Und bestens präpariert. „Die  Trainingsmöglichkeiten sind vielerorts besser als im Profi Eishockey.  „Wir sind eine 3500-Studenten-Uni. Jedes Jahr werden Millionen von Dollar in die Entwicklung unserer Mannschaft gesteckt. Viele Spieler sind schon  gedrafted und jede Saison   schaffen einige den Sprung von der NCAA in die NHL.“

Auf den Sprung in die  Profi-Eliteliga hofft auch  Sturm. „Vor einigen Jahren war das noch ein Traum, mittlerweile ist es  ein realistisches Ziel ist. Es liegt noch viel harte Arbeit vor mir, dementsprechend wichtig wird jetzt mein drittes Jahr mit Clarkson.“

Die Unimannschaft zählte im vergangenen Jahrzehnt nicht zu den Größen in der NCAA, deshalb hatten die Trainer oft Schwierigkeiten herausragende Talente für ihr Team zu gewinnen. Nico Sturm beschreibt seine erste Saison (21 Scorerpunkte in 39 Partien) als mittelmäßig. 2017/18 lief es viel besser.  „Wir qualifizierten uns direkt für die zweite Play-off-Runde. Das ist Clarkson seit Jahren nicht mehr gelungen“, so Sturm, der beim ECAC-Endturnier in der ehemaligen Olympiastadt Lake Placid dabei war. Der Sieg in der Verlängerung gegen die Harvard University war für den gebürtigen Augsburger „einer der schönsten Momente in meiner bisherigen Karriere“. Im Finale gegen Princeton mussten die vielen Clarkson-Fans allerdings eine Niederlage in Overtime registrieren. „Das hat richtig wehgetan“, gibt Sturm zu.

Clarkson war in der Saison-Rangliste jedoch so weit oben notiert, dass Sturm und Co. einen Platz im 16er-NCAA-Finale erhielten.  „Wir haben zwar das Achtelfinale gegen Providence verloren, aber uns einen guten Ruf in der NCAA erworben. Wir sind jetzt keine Außenseiter mehr.“ Sturm war mit 37 Scorerpunkten  sehr effektiv und gibt sich kämpferisch. „Nächste Saison geht es darum Titel zu gewinnen.“ Bis Anfang Mai konzentriert sich der Eishockeystürmer auf die Uni, dann geht es für einen Monat zurück in die Heimat.  Anschließend beginnt die Vorbereitung auf das NHL-Camp. „Noch ist nicht entschieden bei welcher Organisation ich mitwirken kann.“ Nächste Saison hat Nico Sturm aber   erst einmal große Pläne mit dem Clarkson-Team.  Und vielleicht meldet sich ja auch Marco Sturm wieder bei seinem Namensvetter.

 

 

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